Hektisch stürzen die Menschen an mir vorbei, hechten die Treppen zur U-Bahn hinunter und springen schnell in den nächstgelegenen Waggon. Ich muss aufpassen, nicht an einer ungünstigen Stelle stehen zu bleiben, denn der Menschenstrom ist schnell. Ich fühle die Hektik durch jede Pore meiner Haut, schaue in fokussierte Gesichter. Es ist nachmittags an einer Hamburger U-Bahn-Station. Die Bahnen fahren jetzt im 5-Minuten-Takt. 
Zu Hause genieße ich die Ruhe und die Hektik fällt von mir ab. Manchmal mache ich absichtlich langsam, um dem Tempo zu entkommen. Manchmal bin ich einfach langsam. 
Als schreibende und malende Ideenheldin und Lehrerin an einer Grundschule kann ich nicht über Langeweile und zu viel Zeit klagen. Manchmal werden die Nächte kürzer und ich nutze die frühen Morgenstunden. Ich habe eine Vision von einem entspannten, glücklichen Leben ohne falsche Kompromisse. In dieser Vision nutze ich mein schöpferisches Potential, ich male, ich schreibe, ich arbeite. Ich erschaffe mir das Leben, das ich liebe. Soll das eine Frage der Zeit sein?
Manchmal, wenn ich ganz realistisch rechne, ist der Tag zu kurz und meine Vorhaben zu viele. Den Tag kann ich ausdehnen. Ich kann später schlafen gehen und früher aufstehen. Doch soll Zeit letztlich eine Ausrede sein, nicht zu schreiben?
Die Kernfrage, um ins Schreiben zu kommen, liegt tiefer. Die Antwort liegt nicht nur darin, wie man am effektivsten seine Zeit nutzt und einteilt. Das, was zum Schreiben bewegt, ist Begeisterung. Es gibt einen Punkt, an dem man nicht anders kann, als zu schreiben. Weil sich die Begeisterung nicht aufhalten lässt. Warum tust du all die anderen Dinge? Weil du Zeit hast? Oder weil du sie liebst und sie in deinem Leben nicht missen möchtest? Weil du musst?

Was bewegt dich, zu schreiben?
Die Reise zum eigenen Buch beginnt mit dem ersten Schritt. Der Weg kann weit sein. Unter Zeitdruck und Hektik funktioniert der kreativste Teil in uns nicht. Wenn du den Funken der Begeisterung in deinem Herzen hast – diese kleine, zaghafte Stimme, die dir leise „oh ja, bitte“ zuflüstert und schreiben möchte – geht es darum, die Reise zu gestalten. 

Wie sieht deine Reise zum eigenen Buch aus?
Auf dieser Reise zählt jeder Minischritt. Ja, auch die fünf Minuten, in denen du in ein Notizbuch deinen Wunsch kritzelst. Auch die Viertelstunde vorm Schlafen gehen. Unterschätze nicht die Magie der kleinen Schritte. Erst Recht, wenn du keine Zeit hast. Hör auf deine innere Stimme und vertraue ihr. 

Wie schnell gehst du?
Vor zwei Jahren hatte ich eine Knieverletzung und musste lange an Krücken gehen. Ich konnte nicht schnell sein. Diese Zeit hat mich viel gelehrt. Ich habe die Absurdität erkannt, einer Bahn hinterher zu jagen, wenn fünf Minuten später die nächste kommt. In der Langsamkeit nahm ich die Gesichter der abgehetzten Menschen wahr und es geschah ein Wunder: Ich fühlte mich frei. Ich folgte meinem eigenen Tempo. Es entsprach zwar eher der Reise in einer Bummelbahn und nicht der Fahrt mit einem Porsche mit 200km/h auf der Autobahn. Doch das machte mir nichts aus. Ich fühlte mein Tempo. 

So handhabe ich es auch beim Schreiben: Ich bleibe in meinem Rhythmus. Mein inneres Versprechen hält mich. Manchmal scheint tagelang nichts voranzugehen. An anderen mache ich gefühlt einen Zeitensprung. 

 
Welches Tempo ist für dich angemessen?

Beim Schreiben brauchst du dein Tempo. Erst Recht am Anfang, wenn du dich gerade traust, von deinem ersten eigenen Buch zu träumen. Vielleicht würde ein langer Schreibtag dich verschrecken. Du kannst dich erstmal deinem Traum annähern und dir kurze Notizen machen. Vertraue deiner inneren Stimme und lass dich von ihr führen. Kauf dir ein schönes Notizbuch und einen Stift als Versprechen, deinen Traum wahr werden zu lassen. 

Lass nicht die Zeit über deinen Wunsch zu schreiben entscheiden. 
Höre auf dein Herz! 
Maike Grunwald
Pädagogin und schreibende/malende Ideenheldin
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