Ich freue mich sehr über diese Blogparade von Jutta Held – Sie ruft auf, „Sei UnPerfekt!“ Wie wunderbar, auch einmal fünfe gerade sein zu lassen, oder?

Während ich diese Zeilen schreibe sollte ich mein Buch weiter korrigieren, die Zeit wird enger und die finale Veröffentlichung steht vor der Tür und jetzt heißt es: Jeden Fehler finden, jede Formulierung ausfeilen und „perfekt“ sein free project management app. Bei einem fertigen Buch wird das erwartet, oder?
Aber so genau ich jede Zeile durchgehe, nach jedem Tippfehler suche und jedem Komma auf der Spur bin, das fehlt oder zu viel ist, frage ich mich: Kann mein Buch überhaupt jemals perfekt sein?

Ich schaue aus dem Fenster und denke für ein paar Sekunden darüber nach. Und? Was ist die Erkenntnis? Nein, auch wenn kein einziger Tippfehler mehr in den über hundert Seiten sein wird und aus meiner Sicht alles perfekt ist, wird es das niemals für alle meine Leser sein. Ich glaube Perfektion ist individuell und absolut Geschmacksache. Über Orthographie und Zeichensetzung brauchen wir nicht zu diskutieren, aber ein Buch besteht doch aus deutlich mehr: Die Art wie man etwas erklärt, Beispiele nutzt, mit Fragen die Leser zum Nachdenken anregt und vieles mehr. Selbst wenn es aus Sicht stimmig und zumindest nah der Perfektion ist werden diese Meinung niemals alle teilen. Wenn nur ein einziger Leser denkt: „Ja, aber …. das könnte ausführlicher sein, das kann man auch kürzer sagen, das kenne ich doch schon etc.?“ Schon dann ist es vorbei mit der Perfektion. Futsch aus Ende! Macht das mein Buch schlechter?

Ja und nein ist da die Antwort. Das Buch wird dadurch schlechter, weil natürlich diese Meinungen auch in die Rezensionen einfließen und das Buch dann in der Summe schlechter bewertet wird. Das trifft einen als Autor sehr, denn man hat sich ja bei allem etwas gedacht, Mühe, Arbeit und Herzblut in das Buch gesteckt. Aber, wenn man sich von dieser ersten Verletzung befreit und die Perspektive wechselt, dann sieht es schon anders aus. Hand auf’s Herz: Wenn Du ein Buch bei Amazon siehst, das nur 5 Sterne Rezensionen hat, nichts anders. Glaubst Du dann, dass es perfekt ist oder traust Du dem Ganzen nicht und fängst an zu Zweifeln? Ich weiß von Autoren, dass ihre Bücher sich auf einmal besser verkauft haben, wenn es nicht nur volle Punktzahl gab. Natürlich dürfen die nicht überwiegen, aber ein kleiner Ausreißer aus der Perfektion macht es erst glaubhafter und scheinbar besser.

Und, wenn ich gerade darüber nachdenke, wie beliebt und angesehen die Streber zu Schulzeiten waren, die immer in allem perfekt waren und eine eins nach der anderen abgeräumt haben?

Ich weiß nicht, woher es kommt, dass wir die Perfektion anstreben? Vielleicht ist es der Wunsch danach, von niemandem kritisiert zu werden. Vielleicht steckt es in uns von Kindensbeinen an, dass man gelobt und geliebt wird, wenn man alles richtig und gut macht. Ich weiß es nicht.

Was ich weiß, ist, dass die erfolgreichsten Blogartikel nicht auf Perfektion aufbauen. „Die zehn Dinge, die ich im letzten Jahr gelernt habe“ wecken Interesse, werden gelesen und geteilt. „Wie ich es schaffe immer perfekt zu sein“ wird hingegen nicht der Reißer werden. Perfektsein ist langweilig. Die Leser wollen den Menschen kennenlernen und zu ihm oder ihr gehören Ecken, Kanten und Fehler.

Ich glaube viel wichtiger als die Perfektion ist der Mut, zu dem zu stehen, was man denkt, sagt, fühlt, macht und tut. Perfektion gibt es nur im Auge des Betrachters und das ist bekanntlich individuell verschieden. Selbst wenn die Mehrzahl der Menschen, in meinem Fall der Leser begeistert sind, alles stimmig finden, das Cover lieben, die Farben, die Inhalte, Anregungen, meine Sprache. Es werden niemals alle sein. Kann ich das ändern? Nein, so sehr ich mich auch bemühen kann und vielleicht sogar verbiege um es denen Recht zu machen, die etwas kritisieren. Es wird nicht funktionieren, weil spätestens dann die Leser enttäuscht sein werden, die vorher begeistert waren.

Es gibt also keine Perfektion. Genau das versuche ich mir jetzt selbst zu sagen, wenn ich an meiner Buchkorrektur weiterarbeite. Und Dir habe ich hoffentlich diese Last genommen, perfekt sein zu wollen. Es hilft nicht, es bremst nur aus. Also wirf den Anspruch der Perfektion über Bord und halte danach Ausschau, was Du bewegen kannst oder vielleicht sogar schon verändert hast!

Und wenn Du mehr darüber wissen möchtest, womit ich meine Leser in meinem neuen Buch bewegen und ins Tun bringen möchte, dann schau doch bei Amazon vorbei. Dort ist es inzwischen erhältlich.