Das mit den Träume ist so eine Sache! So erhebend sie sein können, so sehr sie uns in unserer Vorstellung wachsen lassen, so unbeschreiblich es ist, wenn man in seinen Gedanken und seinem Traum schwelgt, so unerreichbar und erdrückend können sie sein.
Dieser Wandel um 180 Grad geschieht genau in dem Moment, in dem man sich die Frage stellt:

„Wie fange ich denn jetzt an? Wie komme ich da hin, wo alles so wunderbar ist?“

Diese Frage ist leider sehr oft der Knopf, der uns eiskalt zurückholt ins Hier und Jetzt. Bumm! Im Bruchteil einer Sekunde sind wir nicht mehr oben im Paradies, nein wir sind wieder dort, wo wir unsere Gedankenreise, das Wünschen begonnen haben. Das gemeine ist, je größer wir geträumt haben, desto massiger ist der Berg, der nun vor uns liegt. Wir haben keine Flügel mehr, kein Glücksgefühl, alles erscheint nur noch unerreichbar.

Genauso ist es auch mit dem Traum vom eigenen Buch. Er kann uns beflügeln und antreiben, er kann wunderbar sein. Er wird aber auch plötzlich zur Last, weil es uns schier unerreichbar erscheint, dass wir das jemals schaffen. Vor lauter Großartigkeit sehen wir überhaupt keinen Weg mehr, wie wir es selbst schaffen können oder sollen.

Und dann beginnen wir damit, nach Möglichkeiten zu suchen, lesen Bücher, machen Aufgaben, beantworten Fragen und die Anstrengung im Kopf wird immer größer.
Zusätzliche lernen wir neue Dinge kennen: Leser einbeziehen, Fans gewinnen, Erlebnisse schaffen … der Traum wird immer wundervoller, immer größer und bunter.

Und was passiert dann im nächsten Moment? Ja, genau – Bumm – im nächsten Moment erscheint alles noch viel schwieriger. Wie frustrierend!
Genau so soll es aber nicht sein. Was ich Dir bisher nicht gesagt habe:

Vor dem ersten konkreten Schritt zu Deinem Buch, kommt das Aufwärmen, das Eingrooven!
Bevor Du mit Deinem Buchprojekt startest, bevor Du Dir umfangreiche Gedanken machst und Pläne schmiedest, musst Du Dich aufwärmen. Bevor Du in Kapiteln denkst, Dir überlegst, wie Du Deine Leser einbeziehen kannst und vieles mehr musst Du Dich vorbereiten. Aber wie?

Ganz einfach. Fange an zu schreiben!
Ja, fang an zu schreiben: Mit Stift und Papier, in ein Notizbuch, in einzelne Dokumente, Blogposts – wo und wie Du willst. Das ist völlig egal. Wichtig ist nur eins, fange an und schreibe! Tu es! Denn erst durch das Schreiben, durch das Tun selbst kommt alles in Bewegung:

 

Schreiben sortiert Deine Gedanken
Ja, das ist tatsächlich so. Erst wenn Du Deine Gedanken aufschreibst, sortierst Du sie so richtig. Die einfachste Art ist, sich mit einem Block und einem Stift hinzusetzen, nicht an den Schreibtisch, wo man sonst auch immer ist, um zu arbeiten. Nein, setzt Dich in einen Sessel, auf Deine Terrasse oder an einen Ort, an dem Du Dich wohlfühlst und Du für Dich sein kannst. Und dann fange an zu schreiben, einfach das, was Dir im Kopf herumschwirrt. Vielleicht sind es Gedanken zu Deinem Traum vom eigenen Buch, vielleicht auch nicht?
Bring Deine Gedanken auf das Papier. Genauso ist übrigens auch die Vorlage für diesen Blogartikel entstanden. Ich möchte diesen Artikel schon lange schreiben, weil ich in Fragen und Rückmeldungen immer merke, dass viele aus dem Stand heraus ein Buch schreiben wollen und dann alles wahnsinnig schwierig ist. Und gestern Abend war der Zeitpunkt da, dass ich mich als alle schon schliefen in meinen Lieblingssessel gesetzt habe und meine Gedanken dazu aufgeschrieben habe und auf meinen zehn A4 Seiten oder wieviele es auch waren ist mir erst bewusst geworden, dass der Ursprung dieser Hürde in unserem Traum selbst steckt. Das was ich jetzt schreibe ist nicht das, was auf meinem Block steht, es ist die Weiterentwicklung von meinen sortierten Gedanken, die mir jetzt als Grundlage dienen.

Das ist bei Dir nicht anders. Egal ob es ein einziger Blogartikel ist oder ein ganzes Buch. Du musst Dich eindenken. Du musst Dich und Deine Gedanken sortieren.

 

Du wärmst Dich auf
Im Sport ist es selbstverständlich. Man wärmt sich auf, beginnt langsam, um dann volle Leistung zu bringen und wirklich Power zu geben. Beim Schreiben ist es genauso, von Null auf Hundert geht nicht. Genau daher kommt die Angst vorm weißen Blatt. Ohne sich aufzuwärmen, ohne sich in seine Gedanken geschrieben und gedacht zu haben geht es nicht. Einfach anzufangen mit dem Schreiben ist wie das Aufwärmen vor dem Sport und wie das Kraft und Ausdauertraining vor einer Bergbesteigung.

 

Du lernst Dein Thema, Deine Gedanken und Dich selbst besser kennen
Genau das passiert durch das „Einfach einmal Anfangen mit dem Schreiben. Durch das Schreiben selbst lernst Du Dein Thema besser kennen, Dir wird klarer, worauf es Dir wirklich ankommt. Du erkennst Deine Schwerpunkte, Deine Besonderheiten. Wenn Du nur in Deiner Gedankenwelt bleibst, dann werden Dir diese Details niemals klar werden.

 

Du entwickelst Deine Stimme
Ja, auch wenn man still ohne ein Wort zu sagen schreibt, hat man eine Stimme. Es ist die Art wie man sich ausdrückt, welche Worte man verwendet, wie man Ideen präsentiert, wie man Zusammenhänge erklärt. Es ist Deine eigene Stimme.
Und auch hier ist es so, auch die Stimme braucht Training und Aufwärmphasen bevor sie im vollen Klang und Umfang ertönen kann. Kein Sänger geht auf die Bühne, ohne sich vorher eingesungen zu haben. Wieso solltest Du es tun?

 

Du schaffst Dir eine inhaltliche Grundlage, die Du später nutzen kannst
Nicht alles was Du schreibst, wird veröffentlicht werden, nicht weil Dir ein Verlag sagt, das passt nicht zu uns, sondern weil Du allein das sagen und entscheiden wirst. Nimm mein kleines Beispiel von meinem Blogpost, der gestern Abend auf dem Papier entstanden ist. Das was dort steht wirst Du nie zu lesen bekommen. Nicht weil es geheim ist oder weil ich es Dir nicht zeigen möchte, nein, es ist die Vorlage für diesen Artikel, den Du gerade liest und damit war es das Papier und die Tinte wert. Genauso war es bei meinem Buch. Ich habe ihm Juni 2015 angefangen, Kapitel über das Liveschreiben auf meiner Webseite zu veröffentlichen. Ich habe das Konzept vorgestellt, die Live Book Formen beschrieben, Interviews geführt und veröffentlicht und bin damit nach draußen gegangen. Ich habe mich aufgewärmt, Gedanken sortiert, Worte gefunden für das, was ich sagen wollte und eine Grundlage geschaffen.

 

Sich mit Aufwärmübungen entdecken lassen
Wie gesagt, nicht alles was Du schreibst, wird das Licht der Welt erblicken und von anderen gelesen werden. Das ist völlig normal. Aber das soll Dich nicht davon abhalten, auch mit Deinen „Aufwärmübungen“ nach draußen zu gehen. Die technische Basis für Dein Live Book ist ein Blog – wunderbar. Nutze ihn als solchen. Der erste Blogbeitrag auf dieser Seite muss nicht Kapitel eins sein. Das war es bei mir auch nicht! Wie gesagt, ich habe angefangen zu schreiben, z.B. „Der Zauber von live“ war einer meiner ersten Artikel. Und dann bin ich nach draußen gegangen und ich wollte Leser finden, Menschen finden, die mir ein Feedback geben, Menschen, die es interessiert, wie man ein Buch live schreibt. (Ja, auch in meinem Traum vom eigenen Buch finde ich mehr Leser und begeistere Menschen 😉 )

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass man viel sicherer nach draußen gehen und mit Menschen reden und in Kontakt kommen wird, wenn man sich klar ist über seine eigenen Gedanken und Ideen. Wenn man weiß, was der eigene Standpunkt ist, was die eigenen Besonderheiten sind, wodurch man sich abhebt von anderen und von dem, was es dort draußen schon gibt, dann wird es plötzlich viel einfacher, Gespräche zu führen, Antworten zu geben, die Interesse wecken, weil sie etwas Neues und Einzigartiges enthalten. Das weckt Interesse und bringt Aufmerksamkeit.
Leser und interessierte Menschen kommen nicht von alleine. Dafür muss man nach draußen gehen und sich zeigen und dann hilft alles, was man bereits geschrieben hat und wenn es bereits etwas gibt, was diese Menschen dann auch lesen können.

Also, verharre nicht in Überlegungen, im Planen und im Träumen. Fang einfach an mit dem Schreiben. Das ist der Weg, wie Du Deinen Traum wahrwerden lassen kannst, nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt.