Mit der Ankündigung ein Buch live zu schreiben, geht man eine gewisse Verpflichtung ein.  Man verspricht als Live Autor seinen Lesern und der unbekannten Öffentlichkeit im Internet, dass man etwas tut. Man verspricht, ein Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen.  Dazu gehört Durchhaltevermögen, das ist sicher.

Es kommen ungeplante Dinge hinzu – Aufträge, die Familie, Freunde, eine Krankheit…? Ereignisse, die das geplante Schreiben stören können, gibt es nahezu unendliche. Planänderungen gehören also von Anfang an mit dazu, das ist meine Meinung, aber ich weiß, dass sich damit viele angehende Autoren schwertun. Sie wollen genau das erfüllen, was sie versprochen haben. Es macht ihnen Angst, dass sie während des Liveschreibens genau in eine solche Situation kommen können und ihnen dann die Leser im Nacken sitzen! Schließlich gilt die Regel: Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Oder?

Ganz so hart sehe ich es nicht. In den meisten Fällen darf der Leser kostenlos mitlesen. Natürlich gibt man ein gutes Bild ab, wenn man in kurzen Abständen sein Vorhaben umsetzt und die Texte „liefert“ ja. Aber andererseits schuldet der Live Autor bei einem kostenlosen Buch seinen Lesern nichts. Der Leser darf dabei sein, wenn das Buch entsteht und er bekommt bereits sehr viel in dieser Zeit. Es ist schön, wenn das  Buch so gut ist, dass er es kaum abwarten kann, dass der nächste Teil erscheint. Und es ist Natürlich schade, wenn man einen Leser wieder verliert, nur weil man langsamer schreibt und alles umsetzt als dessen Aufmerksamkeit ist. Wichtig ist, das Ziel vor Augen nicht zu verlieren.

Nichtsdestrotrotz gibt es Möglichkeiten, wie man sein Live Book von Anfang an plant und konzipiert, damit der Druck erst gar nicht so groß werden kann.

 

1. Beginne Dein Live Book als Blog

Was genau macht Dir Angst oder Druck, wenn Du Dir vorstellst, Dein Buch live zu schreiben? Ist es die Größe und der Umfang Deines Versprechens gegenüber Deinen Lesern?
Dann kündige einfach weniger oder zunächst sogar gar nichts an. Es kommt darauf an, dass Du schreibst, nicht dass Du Wunder versprichst und Dich damit unter Druck setzt!

Denke immer daran, nur ein veröffentlichter Teil kann für Dich werben und wirken. Ein Zeitplan oder ein Vorhaben, die Dich belasten bringen hingegen gar nichts.

Beginne nach außen einfach mit einem Blog. Niemand muss wissen, was Du Dir vorgenommen hast. Lass es sich einfach entwickeln. Gib Dir die Möglichkeit es auszuprobieren. Kein Besucher muss von Anfang an wissen, dass hier ein ganzes Buch entsteht. Es geht um die Inhalte, und darum es zu tun. Allein der Inhalt wird den Blogbesucher ins Lesen bringen und wenn es ihn interessiert, dann kommt er auch wieder – auch ohne Versprechen, dass hier ein Buch entsteht!
Du als Live Autor bist keinem, der Deine Webseite besucht etwas schuldig. Möglichen Erwartungsdruck musst Du nur mit Dir selbst ausmachen, aber das ist ein anderer Beitrag :)
Wenn ihn Deine Inhalte interessieren, dann wird er sie lesen, vielleicht teilen und gerne wieder kommen. Stelle es Dir vor, wie ein Bild an einer Wand. Wenn Dir das Bild gefällt, dann bleibst Du stehen und schaust es Dir an, Du fragst Dich nicht, warum hier keine Galerie ist und verurteilst den Künstler, warum er noch nicht mehr „geliefert“ hat.
Siehe Deine Buchteile genauso. Jeder für sich wirkt. Einzig und allein Du entscheidest darüber, wann Du Dein Buchvorhaben öffentlich ankündigst. Wenn es Dir hilft, dann mache eine Überraschung daraus, wenn es bereits fertig ist! Selbst dann ist es live entstanden!

Als Live Autor bist Du der Chef des ganzen Buches. Du gestaltest die Inhalte, die Interaktion mit Deinen Lesern und alles andere was darum geschieht. Gestalte alles so, dass es Dir damit gut geht!

 

2. Mach es kurz und knackig

Wir sind oft der Meinung, dass mehr Zeit auch mehr bringt. „Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte, dann würde ich ja mein eigenes Buch schreiben – live sogar, weil ich das gut finde.“
Wenn wir daran denken ein Buch zu schreiben, dann denken wir in laaaaaangen Zeitspannen – sechs Monate, ein Jahr, drei Jahre!
Die Wahrheit ist aber eine andere. Zum einen je länger die Zeit ist, die man zur Verfügung hat, umso mehr Zeit nimmt man sich auch. Wer kennt es nicht, das Wunder, dass man kurz vor der Abgabe oder des Präsentationstermins plötzlich wahnsinnig produktiv wird.
Zum anderen können in längeren Zeitspannen viel mehr Dinge dazwischen kommen, die einen vom Schreiben abhalten oder wieder ganz aus dem Thema reißen.  Zwei oder drei Wochen kann man sich eher im Kalender für konzentriertes Schreiben eintragen als sechs Monate.

Die Regel ist also umgekehrt – je kürzer ein Buchprojekt ist, desto fokussierter kann man schreiben. Plane Dein Live Book deshalb lieber kürzer als über endlos lange Zeiträume!

 

3. Schreibe Einzelepisoden

Wenn man an ein Buch denkt, dann hat man zusammenhängenden Texte vor Augen. Die Kapitel bauen aufeinander auf und nur, wer alles gelesen hat, der hat den Inhalt auch tatsächlich verstanden. Aber ein Buch kann auch aus einzelnen Geschichten oder Episoden bestehen. Sie müssen nicht aufeinander aufbauen. Jeder Teil kann für sich eine Botschaft enthalten. Das große Ganze entsteht durch einzelne Teile. Die Verbindung entsteht durch anderes, z.B. sind ist jeder Teil eine Erfolgsgeschichte, die einen Kernpunkt zeigt und weitergibt. Ich meine Kurzgeschichten anstatt eines ganzen Romans.

Bei dieser Form hast Du als Live Autor die völlige Freiheit. Du entscheidest, ob es weitergeht oder nicht. Du entscheidest wann und wieviele Teile Du schreibst. Es gibt keinen gesetzten Endpunkt, den es zu erreichen gibt. Das gibt Dir viel Freiraum und lässt keinen Erwartungsdruck aufkommen.

 

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