Leider habe ich diese wunderbare Blogparade zum Thema „Flow“ von Cornelia Luetge erst sehr spät entdeckt. Schon morgen ist der letzte Tag, um mit einem Beitrag dabei zu sein. Wieviel ich noch dazu schreiben kann, weiß ich nicht. Es hängt davon ab, wie schnell ich genau jetzt in meinen Flow komme. Ich vertraue einfach darauf, plane nichts und fange einfach an. Ich schreibe …

Genau damit bin ich schon beim Thema: Es geht mir um den Flow des Schreibens, des Schreibens seines eigenen Buches. Sehr viele Menschen träumen vom eigenen Buch. Sie wollen Autoren sein, ihre Ideen und Gedanken in die Welt hinaustragen. Damit wird man schließlich bekannter. Man zeigt sich und was man tut. Ein eigenes Buch kann einem Wege eröffnen. Sein Herzensthema kann man kaum besser präsentieren als in seinem eigenen Buch. Jede gelesene Seite wirkt und jeder Leser ist ein Mensch, den man als Autor vielleicht inspiriert hat! Die eigenen Worte bewegen etwas im Leben der anderen. Wie großartig!

Das hört sich alles schon sehr fließend und mitreißend an, so leicht und wundervoll. Doch leider ist der Weg zum eigenen Buch oft lange und es so oft will es einfach gar nicht fließen: Durststrecken, Schreibblockaden, Überarbeitungen, durchschriebene Nächte, drückende Abgabetermine und Frust sind während einer Buchentstehung fernab von jeglichem Flow.
Aber es gibt ihn, den Moment, in dem sich die Seiten scheinbar von alleine füllen. Man ist irgendwie weg, man ist eins mit diesem weißen Blatt. Die Finger steppen nur so über die Tastatur und man ist abgetaucht, tief drinnen in seinem Text. Die Gedanken fließen, sie kommen einem direkt in ganzen Sätzen – Seite um Seite füllt sich. Dieses Gefühl kommt schon eher an die Traumvorstellung des eigenen Buches heran. Genau das ist der Schreibflow!

Doch wie kommt man dahin? Und vor allem wie hält man ihn aufrecht, wenn es um ein ganzes Buch geht? Diese Frage ist sehr vielfältig. Allein daraus lässt sich ein komplettes Buch schreiben. Heute möchte ich auf eine einzige Sache eingehen – auf eins der Grundprobleme beim Buchschreiben – das Alleinesein.

 

Alleine in den Flow, alleine aus dem Flow

Gerade beim Buchschreiben ist man in der Regel alleine. Es gibt einen Kopf, den eigenen und dort müssen alle Gedanken gesammelt, sortiert und formuliert werden. Das ist viel bei einem ganzen Buch. Wenn man im Schreibfluss ist, dann bleiben die Gedanken nicht lange im Kopf, sie fließen nur so auf’s Papier. Der Weg ist frei und die Seiten füllen sich. Als Autor fühlt man sich in diesen Momenten bestens und man könnte die ganze Welt umarmen. Aber dann passiert es. Das nächste Kapitel steht an, es kommt eine unerwartete Frage oder wir mussten das Schreiben unterbrechen, weil der Briefträger vor der Tür stand free project planner. Plötzlich ist alles anders. Es geht nicht weiter. Alles kommt ins Stocken. Wie war das noch gleich? Wie war die Argumentation dafür? Passt das Beispiel überhaupt und unterstreicht es wirklich das, was ich sagen will? Aus einer kleinen Frage wird eine große. Dahin ist jegliche Leichtigkeit. Nichts ist mehr im Fluss, das Schreiben ist auf einmal zäh wie Kaugummi. Glaubt man in diesem Moment wirklich noch, dass man mit seinen Zeilen, etwas bewirken kann? Eher nicht. Das was bleibt ist Unsicherheit, Zweifel und Selbstmitleid! Alles ist Mist! Man möchte einfach nur noch laut schreien.

Was ist geschehen? Vor kurzem war doch noch alles gut, man war im Flow und dann? Es kam eine Kleinigkeit dazwischen, wie ein Stein, der einem vor die Füße geworfen wurde. Man stolpert und ist draußen. Man weiß in diesem Moment nicht mehr, ob man überhaupt noch weiterlaufen kann oder will. Wo ist vorne, wo ist hinten? Das macht einem als Autor Angst. Sofort beginnt das Gedankenkarussell: Kann ich meinen Termin halten? Was alles muss ich neu schreiben, damit es wieder stimmig ist? Die Gedanken kreisen immer schneller. Man setzt sich unter Druck, strengt sich immer mehr an. Leider führt das in einem einzelnen Kopf zu einem einzigen Strudel aus dem man alleine kaum mehr herauskommt. Versuche einmal Halt auf einem Karussell zu finden, das sich dreht, wenn dir sowieso schon schwindelig ist! Man ist in Bewegung, ja, aber in einer sehr gegensätzlichen Bewegung zum Flow. Dieser ist in diesem Moment meilenweit entfernt.

 

Gemeinsam zurück in den Flow

Was tut man also in dieser Situation? Schreien, einen weiteren Kaffee trinken, Spazierengehen, die Wohnung putzen, Kuchen backen? Wem das hilft, der sollte es tun. Mir persönlich bringt das alles nicht weiter. Ich brauche Kraft von außen. Das Schreiben bedeutet mir sehr viel – ich liebe es. Ich schreibe selbst und ich unterstütze andere dabei, ihren Traum vom eigenen Buch zu verwirklichen. Meine Herangehensweise ist anders, ich schreibe live. Ja, live! Das heißt, dass ein Buch von Anfang an in der Öffentlichkeit entsteht, vor den Augen der Leser – sie sind dabei.

Zur Zeit schreibe ich den Livewriting Beginner Guide. Es ist eine schrittweise Anleitung, wie man sein eigenes Buch live schreibt. Letzte Woche war ein Thema an der Reihe, um das ich mich bisher eher gedrückt habe. Ich sage es ganz ehrlich, ich hatte keine große Lust darauf, wollte es aber trotzdem in meinem Guide haben. Es ging darum, wie man eine Marktrecherche für sein eigenes Buch macht. Ohne jetzt ins Detail zu gehen – ich habe mich festgebissen. Wie ich es auch drehte und wendete, es machte keinen Sinn. Nichts ging mehr. Ich hatte mich komplett aus meinem Flow herauskatapultiert.

Ich erinnerte mich, dass ich live schreibe und entschloss mich, meine Leser zu fragen. Anstatt mein neues Kapitel zu veröffentlichen, habe ich eine Email an meine Leser geschrieben. Es war durchaus ein Schatten, über den ich springen musste. Als Autor, will man doch der Allwissende sein, schließlich schreibt man für seine Leser und dann stellt man sich vor sie und gibt zu, dass man gerade nicht weiter weiß?

Ich tat es. Ich schrieb meinen Lesern von der Sackgasse, in der ich steckte und fragte sie nach ihren Herangehensweisen zum Thema Marktrecherche. Es war ein Anker, den ich hinauswarf. Die Email war kaum versandt und die Frage in meiner Facebook Gruppe gepostet, schon kamen die ersten Antworten. Der Anker griff sofort. Die Rückmeldungen hatten eine solche Leichtigkeit, sie waren fernab von meinem Holzpfad. Nach nur wenigen Stunden stand mein Gedankenkarussell still. Es gab so viele neue Perspektiven. Mein Körper fing an zu kribbeln. Ich war draußen aus der Sackgasse. Die Gedanken kamen wieder in den gewünschten Fluss, und es ging weiter. Das Kapitel ist inzwischen veröffentlicht.

Es ist wundervoll für sich alleine in den Schreibflow zu kommen, darin zu sein und zu schreiben als ob es nichts anderes auf der Welt gibt. Allerdings sind die Kurven im Schreibflow eng und es passiert schnell, dass man rausfliegt. Wenn das passiert, dann hilft es Ausschau nach anderen zu halten, die einen wieder in den Flow bringen. Das können wie in meinem Fall die eigenen Leser sein. In jedem Fall tut es gut, sich auszutauschen und darüber zu sprechen. Nur so kann sich der Knoten lösen und man kann erst wieder zurückkommen in den eigenen Schreibflow.